Wie Steve Jobs den Kundengewinn von iPod Nano verkauft

by Dr. Michael Franz on 4. November 2009

Steve Jobs hält wieder eine seiner Stevenotes.
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Ich sitze gespannt vor meinem PC. Ungefähr bei Minute 57 sagt er “One more thing”. Endlich! Was ist es diesmal? Der neue Ipod Nano. Und Steve liefert ein Musterbeispiel, wie man Kundengewinn verkauft.

Was ist der Kundengewinn?

Das ist der Gewinn, den Ihr Produkt dem Kunden insgesamt bietet – nicht nur im Bezug auf die reine Funktion des Produkts, sondern mit Blick auf das Gesamtpaket – finanziell, zeitlich und emotional! Nach Abzug der Kosten und im Vergleich zu den Mitbewerbern.

Kundengewinn verkaufen ist die Lösung, wenn man ein überlegenes Produkt hat, aber mit billigeren Wettbewerbern zu kämpfen hat und der Kunde den Unterschied leider nicht versteht.

Musterbeispiel Apple

Wenn Sie Kundengewinn verkaufen, dann vergessen die Kunden den höheren Preis. Das allerbeste Beispiel dafür ist Apple.

Macbooks und iPhones gehören zu den teuersten Computern und Mobiltelefonen überhaupt. Aber das stört niemanden, weil man neben dem bloßen Computer oder Smartphone noch eine Reihe anderer Vorteile kauft: die Sicherheit, dass alles funktioniert; einen fantastischen Service; die Teilnahme an einer aktiven User-Community; 75.000 Apps; das fantastische Design der Produkte; und so weiter.

Steve Jobs verkauft Kundengewinn

Schauen Sie sich einmal an, wie der Apple-Chef Steve Jobs kuerzlich den neuen ipod-nano präsentierte (Bei Minute 56:56 geht`s los).

steve jobs

Als größte Neuigkeit präsentiert Steve Jobs den neuen iPod-Nano mit Videokamera.

Das klingt für uns in Deutschland vielleicht gar nicht so spannend. Aber in den USA sind sogenannte Flip-Kameras gerade der absolute Verkaufsrenner. Und in diesem neuen, lukrativen Segment will Steve die Nr. 1 werden.

Flip-Cams sind super-simple Videoameras, die so gut wie keine technischen Spielereien haben. Es gibt nichts als einen An/Aus-Knopf, noch nicht einmal einen Zoom. Mit denen kann man nichts machen außer filmen. Dass die sich so gut verkaufen, zeigt, wie wichtig Simplizität heutzutage ist.

Kundengewinn auf mehreren Ebenen

Um den Kundengewinn seines iPods mit Videokamera herüberzubringen, greift Steve die Flip-Cam auf drei Ebenen an. Finanziell, technisch und proof of concept. Grundsaetzlich setzt sich der Kundengewinn immer aus mehreren Faktoren zusammen.

Flip-Cam gratis dazu?

Eine normale Flip-Cam kostet 149 Dollar. Genau so viel kostet auch der neue ipod. Die Kamera, behauptet Steve, gibt’s also umsonst dazu.silver_image4_20090909

Das ist ein bisschen dreist, denn natürlich ist die Kamera im iPod nicht wirklich umsonst. Aber es fühlt sich für den Kunden so an!

Generell gilt: Es kann nicht platt genug sein.

Weil der Kundengewinn oft nicht ganz leicht zu erkennen ist, darf man bei der Präsentation vor Plattheiten nicht zurückschrecken. Was zählt ist, dass der Kunde versteht, was er bekommt.

Schlank und schön

Nach dem Preis geht Steve auf die technische Überlegenheit des ipods ein. Dazu stellt er die beiden Geräte einfach nebeneinander. Der Gag ist, dass der ipod nur ein Zehntel des Volumens seines Konkurrenten hat! Wenn man die nebeneinander stellt, sieht das richtig komisch aus.

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Jeder kapiert die Message: Der neue ipod ist seiner Zeit so weit voraus, dass er für die selben Funktionen, die eine Flip-Cam bietet, nur einen Bruchteil des Platzes braucht und dazu noch einen vollwertigen iPod bietet. Das lässt normale Flip-Cams wie Geräte aus der Steinzeit aussehen.

Das witzige daran ist, dass in Wahrheit die normalen Flip-Cams viel bessere Bilder machen als der ipod. Aber dieses Manko wird geschickt umschifft, oder einfach ignoriert.

In Deutschland hat man oft Hemmungen, vergleichende Werbung zu machen. Steve Jobs hingegen greift direkt und ohne Umschweife die Konkurrenz an. Hier sind noch ein paar sehr schöne und lustige Beispiele, wie Mac sich mit dem PC vergleicht und zum Wechseln auffordert.

Noch Mal: Das ist ganz schön platt, aber funktioniert, weil der Gewinn für den Kunden sofort sichtbar wird.


Schwachstellen vermeiden

Als letztes führt Steve dann Videos vor, die auf dem neuen ipod gemacht worden sind. Damit erst keine Zweifel aufkommen. Die sehen natuerlich alle super aus und vermeiden die Schwachstelle der ipod-nano Kamera: Richtig gut werden die Videos nur im Freien und bei guten Lichtverhältnissen, sobald man drinnen filmen will, wird’s sehr schwer.

Für den Kundengewinn zählt nur, was der Kunde von dem Produkt hat. Diese Dinge gilt es, klar herauszustellen. Eventuelle Schwachstellen gehören nicht dazu.

Weg von den bloßen Produkt-Eigenschaften

Diese Präsentation von Steve Jobs ist wie ein Lehrvideo für den Verkauf des Kundengewinns.

Fest steht: Solange man für sein Produkt nur auf der Ebene der Eigenschaften argumentiert, hat man ein Problem mit billigeren Anbietern. Denn dann sieht der Kunde nur den niedrigeren Preis der Konkurrenz. Erklären Sie Ihrem Kunden detailliert, was der Kauf ihm bringt, und der Preis spielt nur noch die zweite Geige.

Wenn Sie so den Vergleichsprozess, der beim Kunden während einer Kaufentscheidung abläuft, positiv beeinflussen, haben Sie gewonnen.

Das setzt natürlich voraus, dass man auch einen Mehrwert anzubieten hat.

Wie sehen Sie das?

Finden sie diese Art der Produktpräsentation zulässig? Haben Sie bereits Erfahrung mit Verkauft oder Kauf von Kundengewinn gemacht? Welche Beispiele fallen Ihnen dazu ein? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.

Auf Ihren Erfolg,
Ihr Dr. Michael Franz

{ 10 comments… read them below or add one }

1 Magnus Kahlweiss 5. November 2009 um 10:29

Kurzfristig gesehen, finde ich die Produktmankos bei Apple-Produkten akzeptabel. Auf längere Sicht zeigt sich aber, dass z.B. das Fehlen einer wirklich guten (State of the Art) Kamera oder sogar Videokamera z.B. beim iPhone G3 nervt. Ich als Videoschaffender mit Apple Hard- und Software erwarte das!
Gerade im B2B-Bereich hat man es mit mit weitsichtigeren Investitions-Entscheiden zu tun und akzeptiert das konsumgetriebene Verhalten von Apple weniger. Da kann auch eine gute Präsentation nicht darüber hinwegteuschen…
Magnus Kahlweiss

2 Lars Krüger 17. November 2009 um 11:09

Hallo,
Steve Jobs ist einfach ein Genie! Wir haben auch einige Punkte die der Kunde nirgendwo anders bekommt.

Ihr Blogbeitrag öffnet mir mal wieder die Augen und macht mir klar, dass ich den Kunden klar machen muss, dass er bei mir tausende von Euro geschenkt bekommt. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

Lars Krüger

3 Dr. Michael Franz 6. Januar 2010 um 17:42

Hallo Herr Krüger,
ich freue mich, dass ich Ihnen die Augen öffnen konnte.
Es ist wichtig, das man den eigene Mehrwert realisiert und dann auch dem Kunden gegenüber berechenbar macht.
Nur so werden Sie angemessen für Ihre Leistung bezahlt.
Beste Grüße,
Michael Franz

4 Dr. Michael Franz 6. Januar 2010 um 17:52

Herr Kahlweis,

sie sprechen da ein paar sehr wichtige Punkt an.

1. Mich nervt das mit der Videokamera bei dem iPhone G3 auch. Grundsätzlich ist es ja so, das jedes Produkt von Apple hardwareseitig von irgendwem übertroffen wird. ich denke der Mehrwert von Apple liegt nicht so sehr in der hardware sondern eher in der unglaublich einfachen Handhabung. Es funktoniert einfach alles. Läßt sich leicht synchronisieren. Tausende Apps machen einem das Leben leichter. Aus diesem Grund ist das iPhone auch so erfolgreich und nicht wegen der Hardware.

2. Das Problem im B2B Bereich ist oft – das weiss ich aus vielen Beratungsprojekten – das es einen sehr guten Mehrwert gibt, eine Spitzen-Hardware, oft auch einen tollen Service. Nur leider versteht das der weitsichtige Entscheider immer weniger, weil er immer weniger Zeit hat sich in die Materie hinzudenken. Was er oft versteht, ist, dass Die Hardware aus Fernost billiger ist. Hier kann man ungeahnte Vertriebserfolge erzielen, wenn man den eigenen Mehrwert im B2B leicht verständlich und plakativ darstellt.

Beste Grüße,

Michael Franz

5 Magnus Kahlweiss 6. Januar 2010 um 18:30

Entschuldigung Herr Krüger. Was meinen Sie mit Ihrem Statement:
“Ihr Blogbeitrag öffnet mir mal wieder die Augen und macht mir klar, dass ich den Kunden klar machen muss, dass er bei mir tausende von Euro geschenkt bekommt. Nicht mehr und nicht weniger”.
Was hat dass den mit den Apple-Produkten zu tun? Diese sind ja ein Werkzeug für den Produzenten von Medieninhalten (wie mich) und tragen zum eigentlichen Konzept und Content nichts bei, es sei denn, wir reden von Podcasting, was aber im B2B leider “noch” nicht verstanden wird.
Was meinen Sie?
Magnus Kahlweiss

6 Lars Krüger 8. Januar 2010 um 09:41

Hallo Herr Kahlweiss,
ich verkaufe Häuser. Wir haben im Schnitt pro Haus ein Sicherheitspaket im Wert von 120.000 €, abgesichert durch Bürgschaften der R+V Versicherung.

Diese Sicherheiten sind bereits im Kaufpreis enthalten. Da der Kunde meistens im Leben nur ein Haus baut, sind diese Dinge für Ihn völlig neu! Es ist also sehr schwierig ihm zu vermitteln, wie wichtig und wertvoll diese Sicherheiten sind. Deshalb habe ich durch den Beitrag von Steve Jobs eine neue Idee entwickelt, den Kunden das Paket zu “verkaufen”!

Tja und zu Apple…..Steve Jobs macht alles richtig!!! Erst einmal ein Stück vom Kuchen sichern, abgeben kann man dann immer noch, wenn man das zulässt.

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und eine angenehme Zeit!

Freundliche Grüße

Lars Krüger

7 Michael Franz 11. Januar 2010 um 18:15

Hallo Herr Krüger,
ich bin gespannt auf Ihre Idee. Wenn Sie wollen, schicken Sie mir diese doch zu.
Vielleicht fällt mir noch eine Verbesserungs-Idee dazu ein.
Beste Grüße
Michael Franz

8 Magnus Kahlweiss 12. Januar 2010 um 00:01

Hallo Herr Krüger, Herr Franz
Verkaufen Sie Ihr Paket als Podcast? (auch eine Apple-Wort-Erfindung…).
Da kann ich mitreden, weil ich solche produziere und diese als wertvolle Unterstützung für den Verkauf von Häusern und Immobilien leider immer noch nicht richtig eingesetzt werden – zumindest hier in der Schweiz.
Grüsse
M. Kahlweiss

9 Michael Franz 12. Januar 2010 um 09:31

Hallo Herr Kahlweiss,

noch nicht ;-)

Für meine Bereich will ich das nächsten Monat einsetzen. Vielleicht wollen Sie mir dazu ein paar gute Tipps geben.

Noch eine Frage: Wie setzt man Podcasts für den Verkauf von Immobilien ein? Haben Sie dazu Beispiele?

Beste Grüße,

Michael Franz

10 Magnus Kahlweiss 12. Januar 2010 um 10:14

Lieber Herr Franz
Generell zu Podcasts: Ich werde bald einen kleinen Webcast (auch so eine schöne Möglichkeit!) zum Thema Podcasts und deren Nutzen auf meine Homepage stellen (www.kahlweiss.ch).
Momentan bin ich an einem Konzept für Podcasts im Immobereich.
Hierzu stelle ich mir vor, die Immobilien oder Häuser in einer Art virtuellen Rundgang zu präsentieren. Die Sache ist eigentlich einfach: Ich möchte die vielleicht schon bestehende Dokumentation in “Bewegung” setzen! Dazu gibt es auch noch die Möglichkeit der interaktiven Broschüre…
Oder: Wenn es bestehende Häuser sind, die wieder verkauft werden sollen, dann gehe ich mit der Kamera durch das Gebäude und Filme die Keypoints.
Würde mich interessieren, wie Sie das sehen (oder auch Herr Krüger).
Grüsse, M. Kahlweiss

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